Familienerinnerung und Fiktion in Viola Roggenkamps Romanen: Vergangenheitsbewältigung im Zwischenraum

Zu einem bestimmten Zeitpunkt entscheidet Viola Roggenkamp, gewisse Aspekte ihres Lebens zu offenbaren, die bis dahin nur einem engen Familienkreis bekannt waren. Das geschieht 2004 durch ihren Debütroman Familienleben, als die Autorin 56 Jahre alt ist. Obwohl sie jahrzehntelang als Journalistin gea...

Descripción completa

Detalles Bibliográficos
Autor: Martín Martín, Juan Manuel
Tipo de recurso: capítulo de libro
Estado:Versión publicada
Fecha de publicación:2020
País:España
Institución:Universidad de Salamanca (USAL)
Repositorio:GREDOS. Repositorio Institucional de la Universidad de Salamanca
OAI Identifier:oai:gredos.usal.es:10366/168824
Acceso en línea:http://hdl.handle.net/10366/168824
Access Level:acceso abierto
Palabra clave:Holocausto
Literatura alemana contemporánea
Viola Roggenkamp
Autoras judías
5506.13 Historia de la Literatura
5504.02 Historia Contemporánea
Descripción
Sumario:Zu einem bestimmten Zeitpunkt entscheidet Viola Roggenkamp, gewisse Aspekte ihres Lebens zu offenbaren, die bis dahin nur einem engen Familienkreis bekannt waren. Das geschieht 2004 durch ihren Debütroman Familienleben, als die Autorin 56 Jahre alt ist. Obwohl sie jahrzehntelang als Journalistin gearbeitet hatte, war sie zuvor noch nicht bereit gewesen, in der Öffentlichkeit mit ihrer komplexen und widersprüchlichen Vergangenheit umzugehen. Letztendlich teilte sie aber diese schwierige Verarbeitung der Vergangenheit mit der ganzen deutschen Gesellschaft, die sich damit immer noch auseinandersetzt. Das Schweigen über die eigene Familiengeschichte ist Privatsache, aber wenn man beschließt, dieses Schweigen zu brechen, dann wird die persönliche Erfahrung zum Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses. Im Laufe des Prozesses hat die Autorin unterschiedliche Entscheidungen treffen müssen: Wann und warum soll man bekennen, was verschwiegen wurde? Über welchen Kanal ist dieses Bekenntnis umsetzbar? Welche Rolle spielt die Fiktion in diesem Zusammenhang? Was ist der Grund dafür, dass kein nichtfiktionaler autobiographischer Text bevorzugt wird? Die Figuren von Familienleben (2004) und ihrer partiellen Fortsetzung Tochter und Vater (2011), vor allem die zentrale Person, aus deren Perspektive die Ereignisse dargestellt werden, bilden ein fiktionales Universum; sie ermöglichen aber gleichzeitig¡ den Zugang zu einer lang verborgenen Wirklichkeit. Es handelt sich dabei um die jüdische Herkunft mütterlicherseits und um den heroischen ‚arischen’ Vater, der den Nationalsozialismus herausfordert, um seine jüdische Frau und deren Mutter vor dem Holocaust zu retten. Der Vater stellt eine umstrittene Figur dar, denn er muss mit dem System zusammenarbeiten, um seine Ziele erreichen zu können. In diesem Sinne kombiniert er heldenhafte und verräterische Züge, je nachdem, wer sein Verhalten bewertet. Bei diesen Romanen Viola Roggenkamps geht es nicht einfach um Fakten oder Fiktionen, sondern eher darum, wie die Fakten interpretiert werden. Das heißt, wie sie von anderen gedeutet werden und wie die Betroffene damit umgehen kann. Vielleicht ist diese Verschmelzung von Fiktion und Realität deswegen der geeignetste Weg für die eigene Vergangenheitsbewältigung. Sie ist auf jeden Fall eine legitime Option, um dem zu begegnen, was zwei Generationen der Familie Roggenkamp belastet hatte.