| Sumario: | Die im tripolitanischen Sabratha gefundene Weihinschrift CIL VIII 22689 = IRT 2 warde zwischen 178 und 180 für das Wohl Mark Aurels, des Commodus und seiner Frau Bruttia Crispina gesetzt. Als Bruttia Crispina verbannt und bald darauf getötet wurde, d. h. wahrscheinlich nicht vor dem Herbst des Jahres 192, wurde die Nomenklatur der Kaiserin im Text eradiert. Nach der Ermordung des Commodus am 31. Dezember 192 wurde auch dessen Nomenklatur gelöscht. Nach seiner Rehabilitierung im Frühjahr 195 wurde seine Nomenklatur wieder in den Text eingefügt. Das Schicksal der Inschrift bietet ein beredtes Beispiel dafür, wie aufmerksam die Veränderungen in der Geschichte des römischen Kaiserhauses von den Untertanen verfolgt wurden. Der Eifer, mit dem die Sabrathenser bemüht waren, sich dem jeweiligen Gebot der Stunde sofort anzupassen, fällt ins Auge. Dieser Eifer wird noch deutlicher, wenn wir zwei Tatsachen berücksichtigen. Zum einen muß betont werden, daß die Inschrift aus Sabratha das einzige uns bekannte epigraphische Dokument ist, in dem die vollständige Nomenklatur der Bruttia Crispina erscheint. Die Bürger der Stadt wollten ihr offenbar eine besondere Verehrung entgegenbringen. Zum anderen fällt auf, daß der Name der Kaiserin in anderen Inschriften nicht eradiert wurde. Die Bürger von Sabratha waren nicht nur bei der Ehrung der Kaiserin, sondern auch beim Auslöschen ihres Andenkens übereifrig.
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